Wenn Riesen reisen und als Findelkind verwaisen
Erratic heißt so viel wie: unbeständig, fahrig, unstet. Der Foothills Erratic Train ist demnach, so könnte man meinen, ein Zug der ohne geregelten Fahrplan durch die Foothills fährt. Auf dem Weg durch Alberta von Jasper bis zur Grenze nach Montana liegen viele Zwischenstationen, so dass man eine echte Bimmelbahn erwarten kann. Wegen des unsteten Fahrplans gibt es allerdings schwerwiegende Buchungsprobleme.
Von Anne Heine
Zuletzt war der eisige Zug vor etwa 18 000 Jahren in Betrieb - als Nordamerika während der letzten Eiszeit (Wisconsin Vereisung vor 70 000 – 10 000 Jahren) unter einer drei Kilometer dicken Eisdecke versteckt lag. Unsere Zugreise in die Eiszeit beginnt in Okotoks im Süden von Alberta, wo ich, die Rockies in Sichtweite, hoch oben auf der Frachtladung dieses vermeintlichen Zuges stehe: auf dem weltweit größten glazialen Findling. Man nennt ihn hier einfach nur: Big Rock. 19 Tonnen legt der hausgroße Koloss auf die Waage (41x18x9 Meter).
Wie verloren liegt er zwischen Foothills und Prärie, als gehöre er nicht hierher. Tut er auch nicht, und doch schon irgendwie. Erratic heißt neben unstet auch Findling, und weil tausende davon wie Waggons in den Foothills hintereinander gereiht sind, heißen sie zusammen Foothills Erratic Train. Eingestiegen sind sie alle am gleichen Abfahrtsbahnhof, ausgestiegen bei dahinschmelzendem Zug aber an unterschiedlichen Stationen.
Deswegen ist der Zug 580 Kilometer lang, teilweise nicht mehr als einen Kilometer breit und durchweg aus dem gleichen Material: über eine halbe Milliarde Jahre alter Quartzit. Geologe Dr. Stalker hat sie in den 1950ern kartiert. Hier in Okotoks liegt der Riese unter ihnen, der dennoch ein Findelkind ist - ein großer Findling, ein Waise in ihm fremden Land aus jüngeren Sand- und Tonsteinen.







