"Arme alte heruntergekommene Kreaturen..."
Auswandern nach Kanada ist 2007 „billig“. Denn während der Schritt ins neue Leben heute „nur“ Geld kostet, kostete er vor 250 Jahren nicht selten das Leben. Und noch ein Unterschied: Früher legte man Emigranten Steine in den Weg, so dass sie in ihrer alten Heimat Haus und Hof verloren, mit nichts als dem was sie am Körper und in Händen trugen in Kanada an Land gingen.
Um die Besiedelung von Kanada voranzutreiben, stand bei der englischen Krone der Arbeitskräfte-Beschaffer John Dick auf der Lohnliste. Zwischen 1750 und 1752 schickte dieser John Dick 2444 Siedler nach Halifax. Fast zwei Drittel dieser Auswanderer kamen aus den damaligen deutschen Kleinstaaten, davon 26 Prozent aus der Rheinpfalz.
Die Engländer lockten die Deutschen mit unglaublichen Angeboten. Es wurden deutsche Werbebroschüren für die Auswanderung nach „Neu Schottland“ gedruckt. Darin war unter anderem zu lesen, dass jede erwachsene Person 50 Morgen Land (zwölf Hektar) in Kanada erhalte, eine Familie mitsamt Gesinde zwölf Monate lang ausreichend Unterstützung durch die Regierung.
Berichte von ausgewanderten Pfälzern machten den Protestanten zuhause Hoffnung. So schrieb einer: „Das Land ist voll von allem - was zur Unterhaltung des Lebens nöthig ist: und eine jede Jahres Zeit kan einen hinlänglichen Unterhalt vor die Einwohner verschaffen - wenn sie auch noch so zahlreich wären - als irgend in einem Theil von Europa - Es ist nichts leichter als genugsamen Vorraht zu machen - der einer Jahres Zeit biss zur anderen dauren kan...“
1749 waren auf dem Segler „Sphinx“ 79 deutsche und Schweizer Protestanten in die noch namenlose Kolonie in der Chebucto Bay - die später den Namen Halifax erhielt - eingelaufen. Sie kamen aus Londoner Elendsvierteln, wohin es sie auf ihrer Auswanderung in die englischen Kolonien verschlagen hatte - und wo sie mit englischen Untertanen nun für die neue Kolonie rekrutiert worden waren.






