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9.2.2012 : 21:47 : +0100
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Liebe Sheila Watt-Cloutier,

Aber mal ehrlich: welche Chance hatten Sie, die bodenständige Inuit-Aktivistin, gegen die mediale Macht des neu entdeckten Hollywood-Lieblings Al Gore?

Von Roland Papenberg 

 

„Ich muss zugeben, dass ich ein bisschen enttäuscht bin“, werden Sie von Nachrichtenagenturen zitiert, nachdem Sie erfahren haben, dass Al Gore den Friedensnobelpreis erhalten hat (zusammen mit dem UN-Klimarat). Nun, da sind Sie nicht die einzige. Viele hätten Ihnen diese Auszeichnung gewünscht. Es wäre auch ein kleines Signal an alle Ureinwohner dieser Welt und die sie regierenden Politiker gewesen.

Aber mal ehrlich: welche Chance hatten Sie, die bodenständige Inuit-Aktivistin, gegen die mediale Macht des neu entdeckten Hollywood-Lieblings Al Gore? Seit 20 Jahren machen Sie sich für die Rechte der nördlichsten Erdbewohner stark, denen von Jahr zu Jahr die Existenzgrundlage Stück für Stück weg schmilzt. Das hat man zwar weltweit zur Kenntnis genommen und Bilder von abgemagerten Eisbären und folkloristischen Inuit-Szenen haben sich im Fernsehen auch gut gemacht. Aber gegen die geballte Promi-Phalanx eines Al Gore, Auftritte bei Klima-Rock-Konzerten, TV-Shows und eine Oscar-Verleihung – da können Sie noch so viele Vorträge, Aktionen, Petitionen organisieren.

Es läuft halt anders in unserer Welt. Das ist schade, denn gerade Menschen wie Sie, die bereits für eine intakte Umwelt kämpften, als das noch nicht zum Zeitgeist gehörte, sondern belächelt, abgetan, kritisiert wurde – solche Menschen nötigen mir großen Respekt ab. Denn ohne deren Durchhaltevermögen und Engagement, würden Leute wie Al Gore, Bono, Grönemeyer oder Geldoff nicht die momentane Aufmerksamkeit erhalten.

Und so eine Wegbereiterin zu sein dient der Sache mehr als ein Nobelpreis. Sie selbst haben ja gesagt, dass durch die Verleihung des diesjährigen Friedensnobelpreises die Erde der Gewinner sei. Lassen wir das einmal unkommentiert so stehen.